Wir sollten alle ein bisschen Donald Trump sein!

20 Apr

Trump eilte in den letzten Monaten von Sieg zu Sieg und führt trotz der letzten Niederlage im US-Bundesstaat Colorado mit 739 Delegierteas Rennen bei den Republikanern an. Ganz gleich, ob er jetzt am Ende von den Republikanern als Präsidentschaftskandidat nominiert wird oder nicht, das Phänomen Trump trifft uns an einer empfindlichen Stelle und provoziert uns in unserer selbstgebastelten heilen Welt. Und das ist gut so. Um es gleich vorweg zu nehmen – ich befürworte dabei nicht die Respektlosigkeit, die Trump an den Tag legt.

Oh Tannenbaum 

Trump bricht mit einer Regel, die zu viele Menschen zu oft mundtot macht: der sogenannten „Political Correctness“. Wer traut sich, zu sensiblen Themen noch offen seine Meinung zu sagen – zur Frauenquote oder Flüchtlingspolitik? Selbst bei banalen Themen lauert die politisch korrekte Empörung, beispielsweise über Begriffe wie Zigeunersteak oder Negerkuss. Sogar Schulbücher werden umgeschrieben und Christbaum nennen wir Tannenbaum, um in jeder Hinsicht politisch korrekt zu sein. Was für ein Unsinn!

Zum Glück haben wir unseren gesunden Menschenverstand 

Unangreifbar bin ich als Unternehmer heute nur, wenn ich mich politisch korrekt äußere und verhalte und zum Beispiel die Frauenquote uneingeschränkt befürworte oder mich ohne Vorbehalte für einen Bewerber einsetze, der behindert, zugewandert und homosexuell ist. Was ist eigentlich mit der fachlichen Qualifikation der Bewerber? Der gesunde Menschenverstand und die eigenen Erfahrungswerte scheinen mir in der offiziellen Version oftmals zu kurz zu kommen.

Sprechverbot ist der Vorbote der Denksperre

Wohin diese Entwicklung führt, zeigt sehr schön der Welt-Artikel „Wie Political Correctness zu Sprechverboten führt“ von Susanne Gaschke. Danach halten 68 Prozent der US-Bevölkerung Political Correctness inzwischen für ein großes Problem. Warum? Der Artikel legt nah, dass diese in den USA zu einer moralisierenden Maßlosigkeit sowie zu Denk- und Sprechverboten führt. Und hierzulande? Wer vor wenigen Wochen nur die Frage stellte, ob Millionen Flüchtlinge unser System oder unsere Bevölkerung überlasten, galt bereits als unverbesserlicher Fremdenhasser. Doch das Unterdrücken anderer Meinungen – insbesondere im Namen der Moral – führt zu Wut und Hass. Das leugnen der eigenen Überzeugung führt zur Unehrlichkeit und nicht selten zu psychischen Störungen und schlussendlich zur neurotischen Gesellschaft.

Die Diktatur der Algorithmen

Verstärkt wird diese Entwicklung noch durch den Umstand, dass wir zunehmend in digitalen Filterblasen leben. Uns erreicht aufgrund bestimmter Algorithmen der Suchmaschinen oder der sozialen Netzwerke nur noch das, was uns scheinbar interessiert, weil es uns in der Vergangenheit beschäftigte oder auch unsere Freunde. Alles andere bleibt außen vor. Diese gefilterte Meinungsbildung macht mich nachdenklich.

Unsere Zukunft braucht unseren Widerspruch 

Und hier schlage ich wieder den Bogen zu Trump. Ich würde mir wünschen, dass wir wie Trump häufiger die Konfrontation suchen. Was nicht heißt, dass wir vorsätzlich auf den Gefühlen unserer Mitmenschen herumtrampeln. Aber wir sollten die Dinge und Themen ansprechen, die uns bewegen – ohne gleich als „Gutmensch“, „Nazi“, „Fremdenhasser“, „Linker“, „Frauenhasser“, „Rechter“, „Eurogegner“ oder als was auch immer diffamiert zu werden oder zu diffamieren. Wir sollten gemeinsam ein Klima schaffen, das uns darin stärkt, eventuell auftretende Widersprüche auszuhalten. Denn Widersprüche, das weiß ich als Industrial Designer wirklich sehr genau, sind Impulsgeber und führen oftmals erst zu zukunftsweisenden innovativen Lösungen.

 

Jürgen R. Schmid

Design Tech

 

www.designtech.eu

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