Ein Plädoyer für das Ziel

30 Mrz

Produkte, die der Gestaltungsregel „form follows function“ folgen, gelten als gut designt. Zumindest für die meisten Experten und Jurys. Für mich ist diese Regel dagegen nur der Ausdruck einer großen Hilflosigkeit, die nicht nur in der Design-Branche weit verbreitet ist. Übrigens mit fatalen Folgen für die Unternehmen.

 

"Durch Design Tech konnten wir einen riesigen Verkaufserfolg erzielen", Henning Klein (Kadia)
„Durch Design Tech konnten wir einen riesigen Verkaufserfolg erzielen“, Henning Klein (Kadia)

 

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Maschinenbauer, die nach „form follows function“ arbeiten, einfach nicht wissen, wie die Form ihrer Produkte aussehen muss, um den Erfolg ihres Unternehmens zu steigern. Deshalb schieben sie einfach die Funktion vor und erklären damit die von ihnen kreierte Form. Sie freuen sich dann auch über jeden Designaward, den sie erhalten. Obwohl sie überhaupt nicht wissen, ob ihr Maschinendesign einen unternehmerischen Nutzen bringt. Am stärksten verblüfft mich bei diesem Thema jedoch, dass Unternehmen mit fester Überzeugung mit diesen funktionalen Eckpunkten ihre Maschinen gestalten oder mit hohen Erwartungen von Profis gestalteten lassen und trotzdem ernsthaft mit einem Erfolg rechnen.

Nur Mauerblümchen sind mausgrau

Eine sichtbare Folge des „form follows function“-Ansatzes ist, dass die Produkte in einem farblichen Einheitsbrei daherkommen. Dass dabei Grautöne dominieren und im besten Fall noch die Hausfarbe verwendet wird, hängt wesentlich mit der Angst vor Farbe zusammen und dem irrtümlichen  Fokus auf die Funktion. Weil die Farbgebung nicht im Zusammenhang mit der unternehmerischen Zielvorgabe gesehen wird, wird die Lösung neutral gehandhabt. So neutral, dass das Produkt keine Aufmerksamkeit bekommt und keinen Wiedererkennungswert  besitzt. Kein Wunder, dass die natürliche Tarnfarbe mausgrau heute in Unternehmen so verbreitet ist. Dabei ist der gezielte Einsatz von Farbe ein Erfolgsfaktor.

„form follows function“ ist wie Höhlenmalerei. Aber es kommt noch schlimmer. Es gibt immer noch Maschinenbauer, denen es reicht, dass ihre Maschine funktioniert und ihre Herstellungskosten nicht den marktfähigen Preis übertreffen. Darüber freuen sie sich! Aber weil auch sie mittlerweile davon gehört haben, dass ihre Maschinen zukünftig ohne Design unverkäuflich werden, wird getrickst. Sie verkaufen mit inbrünstiger Überzeugung ihre gut gemeinte pragmatische Lösung als Design. Und das erste, was ihnen in den Sinn kommt und dabei funktional auch noch Sinn macht, ist das Motto: „form follows function“. Den Grund für den stockenden Verkauf suchen diese Unternehmer natürlich gerne bei den ungünstigen Umständen und den scheinbar unveränderbaren Rahmenbedingungen. Schuld ist beispielsweise gern die Weltwirtschaft oder aber der aggressive Wettbewerber, der unterhalb der Herstellkosten verkauft.

Austauschbare Produkte verkaufen sich nur über den Preis

Auch die Strategie „mehr von dem selben“ ist in Unternehmen weit verbreitet. Denn es wird angenommen, dass man das, was man tut, ja perfekt kann und es auch versteht. Anstatt sich weiter zu entwickeln und passgenaue Produkte auf den Markt zu bringen, wird lieber fleißig an der Kostenoptimierung gearbeitet, um mit 100% Aufwand 0,1% Wirkung zu erzielen. Eine Strategie, die Unternehmen gern dann befolgen, wenn sie schmerzhaft bemerken, dass ihre Produkte für Kunden austauschbar werden und damit der Preis den Ausschlag für die Kaufentscheidung gibt. Selbstkritische Stimmen kommen dann eventuell noch auf den Gedanken, dass man beim Verkauf etwas verbessern müsste. Doch damit zäumen sie das Pferd nur von hinten auf.

 

Innovative Technik günstig abzugeben!
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Kopf in den Sand stecken hilft nicht

Ich bin sicher: Maschinenbauer werden in engen Märkten zukünftig kein einziges Produkt verkaufen, das nicht mit einem punktgenauen Industrial Design überzeugt. Diese Tatsache beobachte ich bereits heute. Wer das abstreitet oder ignorieren will, sollte an seine ganz persönlichen Kaufentscheidungen denken. Wer sich einen Hochdruckreiniger oder eine Bohrmaschine kaufen will, sucht das Produkt, das ihm auf allen Kanälen verspricht, seine Erwartungen optimal zu erfüllen und diesem Anspruch selbstverständlich auch beim Gebrauch gerecht wird.

Die verfügbaren Disziplinen nutzen

Es gibt eine große Anzahl an Disziplinen, die wir auf hohem Niveau bei der Produktentwicklung berücksichtigen und auch abbilden müssen. Das heißt, neben der technischen Funktion, den Herstellkosten, der Arbeitssicherheit, der Ergonomie und Ökologie ist auch das zielgenaue Industrial Design fester Bestandteil eines erfolgreichen Produktes geworden. Das sollten Sie berücksichtigen. Ich freue mich, wenn Sie mit dieser Perspektive darüber nachdenken und Ideen entwickeln, die Ihren unternehmerischen Gewinn steigern und Ihr Unternehmen zukunftsfähig machen.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Design Tech

 

www.designtech.eu

 

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